Paula* zog gerade die Spritze zurück, als ihr die Anamnese wieder einfiel. Die Lippe würde schon anfangen zu kribbeln, sagte ihre Patientin gerade. Normalerweise würde sie das freuen – aber jetzt hätte sie es lieber wieder rückgängig gemacht.
Als ich wenige Augenblicke später vor ihrer Behandlungsbox stehe, bringt die Examenskandidatin kaum einen Ton raus. Sie habe die Leitung gelegt. Aber es gebe ein Problem: Die Patientin habe ein Glaukom.
Ob sie Adrenalin benutzt habe? Ja, antwortete sie. Ihr Gesicht war jetzt so weiß wie ihr Kittel.
Und ob sie aspiriert habe? Ja. Welche Art von Glaukom? Offenwinkel? Gut.
Mein Puls normalisierte sich allmählich wieder. Paulas Behandlungsassistenz hatte mich kurz vorher mit den Worten dringend und Notfall zur Box geholt. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass eine Lokalanästhesie mit einem super niedrig dosierten Adrenalin-Präparat zu einem Sehschaden führte, war ziemlich klein. Dass die 23-jährige Fast-Zahnärztin mit dem kittelfarbenen Gesicht vollends die Fassung verlor – gar nicht so unwahrscheinlich.
Also beruhigte ich sie: Ein erhöhtes Risiko für Komplikationen gibt es eher bei den Engwinkel-Glaukomen. Und selbst da ist ein akuter Glaukomanfall sehr selten (2018, 2023).
Aber wie sieht das eigentlich mit Wechselwirkungen zwischen unterschiedlichen Medikamenten aus? Nicht nur Lokalanästhetika, sondern auch Schmerzmittel und Antibiotika können in Kombination mit anderen Medikamenten unerwünschte Arzneimittelwirkungen (UAW) auslösen (2022).
Bei Patient:innen, die diese Medikamente nehmen, solltest Du mit nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen vorsichtig sein – und besser Paracetamol verschreiben:
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