Der Knochen vom Kieferkamm wirkt großporig und weich. Das Stück ist ungefähr so groß wie mein Fingernagel. Das Problem dabei? Es hängt noch an dem Eckzahn, den ich gerade mit der Zange auf meinem Tray abgelegt habe. Ich wollte ihn extra schonend extrahieren, weil der 84-jährige eine Implantatversorgung im Oberkiefer will. 🤦🏼♂️
Der Bericht der Histopathologie bestätigt meinen Verdacht: Osteoporose.
Aber ist das grundsätzlich eine Kontraindikation für Implantate? Könnte der poröse Knochen die Prognose der Implantate verschlechtern? Ich habe in die Literatur geguckt. 👇🏼
Tatsächlich vergleichen manche Autoren den Knochen osteoporotischer Patient:innen mit Typ-IV-Knochen nach der Klassifikation von Lekholm und Zarb: Sehr trabekulärer, weicher Knochen (2011).
Wie stark sich das auf die Primärstabilität und Osseointegration von Implantaten auswirkt, ist aber nicht gut untersucht. Tierstudien deuten bisher nur auf eine leicht verminderte Osseointegration im osteoporotischen Knochen hin (2021). Eine weitere Studie hat den Zusammenhang zwischen Osteoporose und frühen Implantatverlusten (< 1 Jahr) untersucht und ist zu dem Schluss gekommen, dass eine beeinträchtigte Osseointegration die Ursache sein könnte (2024).
Trotzdem sind sich die Autor:innen von mehreren aktuellen systematischen Reviews und Meta-Analysen einig: Es gibt keine statistisch signifikanten Unterschiede bei der Implantat-Überlebensrate zwischen Patient:innen mit Osteoporose und ohne. Osteoporose ist also keine absolute Kontraindikation für Implantate (2018, 2019, 2023, 2025).
Was bedeutet das jetzt für Dich? Vor der Implantation solltest Du eine ausführliche Diagnostik und Anamnese durchführen. Eine Studie von 2023 empfiehlt zur Beurteilung der Knochendichte die digitale Volumentomographie (DVT). Außerdem musst Du dringend abklären, ob Deine Patientin Antiresorptiva (z.B. Bisphosphonate oder Denosumab) einnimmt. Mehr dazu weiter unten.
Hier sind noch ein paar praktische Tipps:
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