Im Browser öffnen

Hinweis für Gmail (App) Nutzer:
Rechts oben auf die 3 Punkte drücken und

→ "Im hellen Design anzeigen" ←

Ausgabe 03-1

Toothletter Logo

TOOTHLETTER

Dein 5-Minuten-Wissens-Update aus der Zahnwelt


Inhalt

Verdachtsdiagnose

Leitlinien-Update

Mythen der Zahnwelt

CME-Quiz

Toothletter Pro Mitglieder verdienen 2 CME-Punkte mit dieser Ausgabe 🎖️

Hi !


Ich habe diese Woche für den Toothletter einen Selbsttest gemacht – und das Ergebnis war gar nicht mal so gut! 🙈

Was das für ein Test war, erfährst Du weiter unten im Beitrag.


Genieß das Wochenende! ☀️


Dein Tilmann 


­ ­ ­
­ ­ ­
­

P.S. Ich baue eine App, mit der Du alle Deine Fortbildungszertifikate und Punkte tracken kannst – klingt cool? ➜ Auf die Warteliste eintragen

­
­ ­ ­
­ ­ ­

📩 Wenn Dir der Toothletter weitergeleitet wurde:
hier kostenlos abonnieren

Verdachtsdiagnose

Weißliche Veränderung in der re. Wange

(Bild: TS)

Was ist Deine Verdachtsdiagnose?

Befund: Weißlich-derbe, nicht abwischbare MSH-Veränderung auf dem Kieferkamm und planum buccale im rechten UK


Fragestellung: Verdachtsdiagnose? Therapie?

Hier geht's zur Auflösung!

Leitlinien-Update

Bild: TS (erstellt mit generativer KI)

Leitlinien-Update 2026: Brauchen unsere Implantatpatienten wirklich mehr Vitamin D?

Falls Du Deinen Patient:innen routinemäßig vor Implantationen Vitamin D Tests verkaufst – I've got bad news for you. 


(Oder Du liest jetzt einfach nicht weiter, . 😜)


Es gibt nämlich eine neue S3-Leitlinie, die sich nur mit dieser einen Frage beschäftigt hat:


Hat die Bestimmung des Vitamin-D-Spiegels (25(OH)D₃) einen Effekt auf die Prognose von Implantaten und Knochenaugmentationen?


Die Autoren der Leitlinie sind sich einig: Es gibt keine ausreichende Evidenz, die eine routinemäßige Vitamin D Bestimmung vor oder nach Implantation rechtfertigen würde (2026).


Die einzige Ausnahme: Wenn Patienten selbst angeben, dass sie einen niedrigen Vitamin D Spiegel haben. Oder wenn es in der Vorgeschichte zu frühen Implantatverlusten kam, deren Ursache unklar war. Dann kann laut Leitlinie ein Test durchgeführt werden.


Aber was ist überhaupt ein normaler Vitamin D Spiegel? Laut Robert-Koch-Institut gelten aktuell diese Referenzwerte in Bezug auf die Knochengesundheit (2016):


  • 🔴 < 30 nmol/l (< 12 ng/ml) → Mangelhafte Versorgung


  • 🟡 30–50 nmol/l (12–20 ng/ml) → Suboptimale Versorgung


  • 🟢 50–125 nmol/l (20–50 ng/ml) → Ausreichende Versorgung


  • 🟣 > 125 nmol/l (> 50 ng/ml) → Mögliche Überversorgung


In Deutschland sind über 30% aller Erwachsenen Vitamin-D-defizient (erste Kategorie 🔴, 2016). Wegen dieser hohen Prävalenz empfiehlt die Leitlinie zur Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Osteoporose für diese Zielgruppe pauschal eine Einnahme von 800-1.000 IE Vitamin D/Tag, um Fragilitätsfrakturen vorzubeugen. Bei dieser Dosierung braucht es laut Leitlinie kein Monitoring. Generell soll aber nicht mit mehr als 2.000-4.000 IE supplementiert werden (2023).


Was kann bei einer Überversorgung mit Vitamin D passieren? Durch eine Vitamin‑D‑Intoxikation kann es zu einer Hyperkalzämie (zu viel Calcium im Blut) bis hin zu Herzrhythmusstörungen oder Nierensteinen kommen. Eine Studie aus 2024 fand sogar einen Zusammenhang zwischen Vitamin-D-Hypervitaminose und frühzeitigem Implantatversagen.



Ich musste es einfach wissen und habe einen Vitamin D Selbsttest von Rossmann gemacht – und liege im Bereich von 10-30 ng/ml. 

Fun Fact: Auf der weniger konservativen Skala des Rossmann-Produkts falle ich in die Kategorie "unzureichend". Im Vergleich dazu liege ich auf der offiziellen RKI-Skala mit meinem Wert aber irgendwo zwischen suboptimaler und ausreichender Versorgung. Puh! (Das RKI will mir halt auch keine Vitaminpräparate verkaufen... 😇)


Bottom Line: Die Message der Leitlinie ist klar – der Hype um Vitamin D in der Implantologie ist nicht ausreichend durch Evidenz gesichert. In einem Interview mit der ZWP sagen die Leitlinienautoren sinngemäß, sie würden Vitamin D Tests als Geschäftsmodell nicht befürworten.



­ ­ ­
­

Hinweis: 

 

Zum besseren Lesefluss habe ich in diesem Text Vitamin D statt Vitamin D₃ geschrieben. Cholecalciferol und Vitamin D₃ ist übrigens dasselbe. 

­
­ ­ ­
­ ­ ­
Du kennst jemanden, der ein Toothletter-Wissens-Update gebrauchen könnte? Dann leite diese Email einfach weiter oder verschicke diese Episode mit WhatsApp

Mythen der Zahnwelt

Bild: TS (erstellt mit generativer KI)

Ozempic: verursacht das Abnehm-Wundermittel wirklich Karies?

Raoul* hatte vor 2 Wochen angefangen, Ozempic zu nehmen und schon 5 Kilo abgenommen. Wir waren Arbeitskollegen und Freunde – ich hatte oft versucht, ihn mit ins Gym zu nehmen. 


Aber er liebte quick wins. Sport? Zu anstrengend. Dass er kurz nach der Markteinführung das neue Abnehm-Wundermittel an sich selbst ausprobierte, war also ein no-brainer.


Das war in 2019.


Heute wird mir das Medikament in einem anderen Zusammenhang in den Feed gespült: "Ozempic Teeth". Betroffene Patient:innen leiden vermehrt unter Zahnerosionen und Karies. Ich habe in der Literatur nachgeschaut, was die Ursachen sind. Spoiler Alert: Die Datenlage ist noch ziemlich dünn.


Was wissen wir bisher wirklich über die Nebenwirkungen von Ozempic (Semaglutid)? Häufig zitiert wird ein Fallbericht mit gerade mal 3 Patientinnen. Sie entwickelten starke Mundtrockenheit nach durchschnittlich 11 Wochen Therapie (2023). Aber auch die Auswertung einer großen amerikanischen Datenbank für Medikamentennebenwirkungen deutet darauf hin: Mundtrockenheit wird unter Semaglutid mehr als dreimal so häufig gemeldet wie unter anderen Medikamenten (2025).


Der Mechanismus dahinter ist biologisch plausibel. Die gleichen Rezeptoren, die Ozempic in der Bauchspeicheldrüse stimuliert, damit Insulin freigesetzt wird (→ Blutzuckersenkung), gibt es auch in den Speicheldrüsen im Mund. Unter Semaglutid kommt es zu einer Dauerstimulation dieser Rezeptoren. Das Ergebnis? Die Drüse "stumpft ab" und sezerniert weniger Speichel.


Bis zu 44% aller Patient:innen, die Semaglutid nehmen, leiden unter Übelkeit. Und bis zu 24% erbrechen regelmäßig, wurde 2024 in einer Studie untersucht. Als Dosis wurden 2,4 mg Semaglutid angegeben. In Kombination mit Mundtrockenheit sind Säure-Erosionen vorprogrammiert.


Was kannst Du tun, damit es bei Deinen Patient:innen erst gar nicht zu "Ozempic Teeth" kommt?


  • ✅ Speichelfluss klinisch einschätzen: Mundschleimhaut trocken? → Speichelersatz empfehlen


  • ✅ Erosionsmuster an Palatinalflächen im Blick behalten, insbesondere bei anamnestisch bestätigtem Erbrechen


  • ✅ Fluoridierung intensivieren, Recall-Intervalle anpassen


Übrigens: Präklinische Studien zeigen protektive Effekte aufs Parodont. GLP-1-Rezeptoragonisten reduzieren Entzündungsmarker, hemmen die Osteoklastogenese und fördern den Knochenaufbau. Eine aktuelle Studie fand sogar signifikant weniger periimplantären Knochenverlust unter Semaglutid versus Insulin oder Metformin (2025).


Weiterlesen...

  • ➡️ Du willst wissen, worauf Du bei Osteoporosepatienten achten musst, wenn Du Implantate setzen willst? Hier erfährst Du mehr darüber


  • ➡️ Du interessierst Dich dafür, welche Vitamine für die orale Gesundheit relevant sind? Hier geht's zum Beitrag


  • 📚 Im Toothletter-Archiv findest Du alle bisherigen Ausgaben 
TL Pro

Nur für Pros: Das CME-Quiz

Noch kein Pro-Mitglied? Guck Dir ruhig das CME-Quiz an – hättest Du es richtig gelöst? :)

­

 

Was musst Du wissen? 

 

  • 2 CME Punkte (Nur für Pros)
  • Du musst mindestens 7/10 Fragen richtig beantworten
  • Das Zertifikat wird Dir innerhalb von ein paar Minuten per Mail zugeschickt (Nur für Pros)
  • Nicht bestanden? Du kannst das Quiz wiederholen 🤓

 

→ Hier geht's zum Quiz ←

 

­
­

Alle Infos zur Toothletter Pro Mitgliedschaft findest Du hier:
 

https://pro.toothletter.de

­

Toothletter-Shop

Du hast Angst vor Wechselwirkungen, wenn Du Medikamente verschreibst? Nie wieder!

­
Mehr Infos

Mit diesem Leitfaden wirst Du in 5 Minuten Expert:in im Umgang mit Bisphosphonat-Patienten.

­
Mehr Infos

Der Blutbild-Navigator bietet Dir auf einen Blick alle relevanten Blutwerte – und was das für Dich bedeutet.

­
Mehr Infos

Sei nie wieder überfordert bei der Behandlung von Schwangeren (Lokalanästhesie, Antibiotika etc.).

­
Mehr Infos

Der Autor

Dr. Tilmann Seifert

­

Hey, ich bin Tilmann und ich bin FZA für Oralchirurgie aus Berlin. Seit Januar 2024 gebe ich jeden zweiten Freitag den Toothletter heraus – den Newsletter, den ich selbst gebraucht hätte, als ich 9 Stunden am Tag in der Praxis stand und keine Zeit für Leitlinien hatte.


Meine Mission: Ich will möglichst viele Zahnärzt:innen im Praxisalltag mit einfach zugänglichem Wissen unterstützen. Dabei ist mir wichtig, dass der Toothletter immer transparent und unabhängig ist.

Dr. Tilmann Seifert
10967 Berlin-Kreuzberg
Deutschland

Die in diesem Newsletter bereitgestellten Informationen dienen ausschließlich der fachlichen Fortbildung von Zahnärzt:innen. Sie ersetzen nicht die persönliche professionelle Urteilsbildung und Entscheidungsfindung im Einzelfall. Es liegt in der Verantwortung der Behandelnden, die Aktualität, Korrektheit, Vollständigkeit oder Qualität der bereitgestellten Informationen zu überprüfen.

Impressum | Datenschutz

Klicke hier, um Dich vom Toothletter abzumelden 🥲 


oder ändere hier Deine Kontaktdaten