Das Wichtigste vorweg: Antiresorptiva stellen keine absolute Kontraindikation für Implantate dar.
Es gibt sogar gute Gründe, sich für Implantate zu entscheiden. Insbesondere dann, wenn dadurch Druckulcera vermieden werden können. Für den Therapieerfolg musst Du aber einiges beachten ⚠️
Unter dem Begriff Antiresorptiva werden Medikamente zusammengefasst, die den Knochenabbau inhibieren.
Sie werden zur Therapie von Osteoporose und Tumorerkrankungen mit Knochenmetastasen eingesetzt. Die bekanntesten Vertreter sind die Bisphosphonate und die monoklonalen Antikörper (z.B. Denosumab/Prolia).
Antiresorptiva können die Entstehung von Kiefernekrosen (ARONJ) begünstigen, besonders durch Zahnextraktionen, Prothesendruckstellen und Parodontitis.
Hier sind 7 wichtige Grundsätze für die Behandlung solcher Patienten 👇
1) Es sollte die individuelle Knochenneubildungsrate des betroffenen Patienten beurteilt werden.
Dafür gibt es zwei wichtige Hinweise:
- der unmittelbare Heilungsprozess Z.n. Extractionem → gibt es scharfe Knochenkanten?
- die Röntgenkontrolle im Verlauf → ossifiziert die Extraktionsalveole regelrecht?
2) Es muss eine gute Mundhygiene gewährleistet werden können
3) Möglichst minimalinvasiver und atraumatischer Eingriff
4) Auf Knochenaugmentationen sollte verzichtet werden
5) Die Behandlung muss unter antibiotischer Therapie erfolgen
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Die Leitlinie empfiehlt eine „prolongierte“, perioperative Gabe von Amoxicillin 1000mg (1-1-1) bzw. Clindamycin 600mg (1-1-1) bei Patienten mit einer Penicillin-Unverträglichkeit.
Bezüglich der Pausierung der Antiresorptiva-Medikation gibt es keine Empfehlung (Leitlinie Antiresorptiva, 2018).
Gut zu wissen: die Halbwertszeit von Bisphosphonaten beträgt 10-12 Jahre. Die HWZ von Denosumab nur 26 Tage.
6) Die Nachsorge sollte aufgrund des Risikos einer ARONJ engmaschiger sein
7) Es sollte eine längere Einheilzeit eingeplant werden
Ob Zahnimplantate auch eine Ursache für die Entstehung einer ARONJ sein können ist laut der entsprechenden Leitlinie von 2016 nicht geklärt. Die überarbeitete Version der Leitlinie soll dieses Jahr veröffentlicht werden.
Das Fazit ist: Implantate unter Antiresorptiva-Therapie sind kein no-go. Dennoch sollte das individuelle Patientenrisiko genau evaluiert werden. Eine gewissenhafte Planung und die Einhaltung dieser 7 Regeln sind die Voraussetzung für den Therapieerfolg.