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Ausgabe 03-2

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TOOTHLETTER

Dein 5-Minuten-Wissens-Update aus der Zahnwelt


Inhalt

Verdachtsdiagnose

Risikopatienten

Wissenschaft

CME-Quiz

Toothletter Pro Mitglieder verdienen 2 CME-Punkte mit dieser Ausgabe 🎖️

Hey ! 🙌


ich hab diese Woche etwas über Zähne gelernt, das ich noch nicht wusste:


Wurzelzement nimmt lebenslang weiter an Dicke zu – vor allem apikal.


Wusstest Du auch noch nicht? Vielleicht sollte ich eine Mini-Rubrik daraus machen: Tooth Trivia oder so... 😋


Hab ein fantastisches Wochenende und stay classy!


Dein Tilmann

Übrigens: Du liest online mittlerweile mehr KI-generierten Content, als Du denkst. Der Toothletter wird aber immer noch von mir, Tilmann, geschrieben!


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Verdachtsdiagnose

Knochendichte Veränderung im li. UK

(Bild: TS)

Was ist Deine Verdachtsdiagnose?

Befund: Hyperdense Verschattung im linken Unterkiefer rg. 35 apikal


Fragestellung: Verdachtsdiagnose? Therapie?

Hier geht's zur Auflösung!

Risikopatienten

Bild: TS (erstellt mit generativer KI)

HIV: 3 Blutwerte, die Du kennen musst

Ich fluche leise in meinen Mundschutz. So etwas Dämliches war mir als Chirurg noch nie passiert.


Wie oft hatte ich meinen Studis gepredigt, nie mit bloßen Fingern eine Skalpellklinge zu wechseln. Nie!


Und jetzt wechsle ausgerechnet ich selbst eine benutzte Klinge nicht mit der Arterienklemme – sondern mit meinen Fingern! Ich Esel… 🤦🏼‍♂️


Die Wunde in meinem linken Zeigefinger ist nicht dramatisch. Aber sie blutet ordentlich. Und das soll sie auch, an so viel kann ich mich noch aus der Infektiologie-Vorlesung erinnern. Kurz die Anamnese doppel-gecheckt: keine Infektionskrankheiten bekannt. Puh. Ein bisschen Rest-Angst bleibt aber trotzdem.


Wie war das noch mit dem Infektionsrisiko? Laut einer Studie von 1997 ist das Risiko, sich per Nadelstichverletzung an einem HIV-positiven Patienten anzustecken, nur 0,3%. Und das bezieht sich sogar auf solche Patient:innen, die nicht anti-retroviral behandelt werden.


Bei Patient:innen, die mindestens seit 6 Monaten eine anti-retrovirale Therapie bekommen, ist die Viruslast im Blut normalerweise unter der Nachweisgrenze. Die liegt je nach Labor bei ungefähr 20-50 Viruskopien pro Milliliter (cop/ml). Deswegen empfiehlt die British HIV Association für dieses Szenario keine Postexpositions-Prophylaxe (PEP) mehr (2021).


Uns Zahnärzten kann also quasi nichts passieren. Trotzdem sind HIV-positive Menschen immer noch stark stigmatisiert. Dabei sollte unser Fokus als Mediziner:innen darauf liegen, diese Risikogruppe besonders gut zu schützen. Deswegen solltest Du nicht nur die Viruslast abklären, sondern auch diese Blutparameter:


  • 🩸 Neutrophile Granulozyten < 1000/µl → nur Notfallbehandlungen


  • 🩸 CD4-Zellen < 200/µl → dringende Rücksprache mit Internist:in (ggf. AB)


  • 🩸 Thrombozyten < 50.000-80.000/µl → keine operativen Eingriffe (Blutungsgefahr)


Und Hepatitis? HCV und HBV sind 10- bzw. 100-mal infektiöser als HIV. Du solltest diese Infektionskrankheiten deswegen mindestens genauso gut anamnestisch erfragen. Auch wenn Hepatitis C mittlerweile in über 95% der Fälle heilbar ist (2015).


Übrigens: Orale Effloreszenzen wie aphthöse Ulzerationen, Haarleukoplakie oder Candidiasis können ein Hinweis auf eine niedrige CD4-Zahl bei HIV-positiven Patient:innen sein.


Sein bester Freund hat 3 Kinder und eine Praxis – und trotzdem mehr Zeit als er

Theo ist 4 und Lotti ist gerade 2 geworden – zuhause ist immer totales Chaos.


Als Florian die Praxis aufgemacht hat, war das noch anders.


Das war direkt nach der Assistenzzeit. Er war gerade mal 27, als sein damaliger Chef ihm die Übernahme angeboten hat.


In den Monaten danach hat er quasi in der Praxis gewohnt:


Über 40 Stunden die Woche behandelt, danach die Abrechnung seiner Helferin kontrolliert und Rechnungen überwiesen, bis seine Augen brannten. Aber nach Hause konnte er dann immer noch nicht: Im Labor warteten Kronen und Brücken auf ihn. (Einen Techniker konnte er sich noch nicht leisten und er brauchte den Umsatz.)


Damals dachte Florian, mehr Stress ginge nicht – bis die Kinder kamen.


Heute läuft zwar die Praxis, aber er hat für nichts mehr Zeit. Die KZV kürzt sein Honorar jetzt schon seit zwei Quartalen um 10%, weil er nicht genug Fortbildungspunkte gesammelt hat. Das kostet ihn tausende von Euros.


Dann kommt Jan ihn besuchen. Sie waren Behandlungspartner im Studium, danach hat Jan ziemlich schnell die Praxis seiner Eltern übernommen. Kinder? Sogar 3. Trotzdem sieht Jan entspannt aus. Und wieso hat der überhaupt die Zeit, am Wochenende 200km zu ihm zu fahren?


Als Jan ihm von seinem Fortbildungsabo erzählt, versteht Florian, wieso. Und zögert keine Sekunde.


pro.toothletter.de



↓ Jetzt gehts weiter ↓

Wissenschaft

Bild: TS (erstellt mit generativer KI)

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Dieses Thema war ein Vorschlag von der Toothletter Community. Du kannst selbst Themenvorschläge einreichen und über andere abstimmen auf: toothletter.de/wunschliste

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Zungenbändchen: Schneiden oder abwarten?

Zwischen 1997 und 2012 stiegen die Frenotomie-Raten in den USA um 834% (2017). Bis 2016 verdoppelte sich die Rate nochmal – das ist fast eine Verzwanzigfachung in diesem Zeitraum (2020). Die amerikanische Gesellschaft für Pädiatrie vermutet, dass Internet und soziale Medien – mit persönlichen Erfahrungsberichten, Werbung und Fehlinformationen – sowie mögliche finanzielle Anreize, diesen Anstieg verursacht haben (2024).


Aber ist das mit dem Zungenbändchen wirklich alles nur ein Social Media Hype, oder ist da doch etwas dran? Ich habe für Dich in die Literatur geschaut. 👇🏼


Die Evidenz kann diesen krassen Trend nicht stützen: Eine aktuelle Studie hat untersucht, ob die Frenotomie bei Neugeborenen mit verkürztem Zungenbändchen das Stillen verbessert. Die Wissenschaftler konnten allerdings keinen signifikanten Unterschied zwischen Frenotomie und Scheineingriff feststellen (2025). Oops! 👀 Eine andere Studie zeigte, dass nach strukturierter Stillberatung 62,6% der zur Frenotomie überwiesenen Säuglinge den Eingriff nicht mehr brauchten (2019).


Und die Sprachentwicklung? Der Report der amerikanischen Gesellschaft für Pädiatrie rät von prophylaktischen Frenotomien zur Vorbeugung von Sprachstörungen ab (2024). Eine große randomisierte Studie zeigte nämlich, dass die OP bei 2 bis 3-jährigen keinen Vorteil bringt. Ab 4–5 Jahren aber schon (2022). 

Okay, okay, Stillen und Sprachentwicklung scheinen durch so eine frühe Frenotomie nicht beeinflusst zu werden. Aber bestimmt das Gesichtswachstum, oder?


Aus der Kieferorthopädie wissen wir, dass der Zungendruck das Oberkieferwachstum stimuliert (1981, 2008). Es gibt sogar Querschnittsstudien, die zeigen, dass Patient:innen mit verkürztem Zungenbändchen im Schnitt schmalere Oberkiefer haben (2013, 2025). Trotzdem haben wir bisher keine Evidenz, die einen kausalen Zusammenhang zwischen beiden Phänomenen belegen kann. Deswegen bleibt es unklar, ob eine frühe Frenotomie wirklich das Oberkieferwachstum beeinflusst (2025).


Kontrovers diskutiert: Die "posteriore Ankyloglossie". Dieser Begriff wird zwar klinisch häufig benutzt, ist aber nicht einheitlich definiert und wahrscheinlich gar keine eigene anatomische Entität (2019, 2020). Deswegen sollte eine Therapie-Empfehlung nicht auf Basis dieser strittigen Diagnose getroffen werden (2024).


Was bedeutet das für Dich, ?


  • ✅ Abwarten: bei asymptomatischer Ankyloglossie, Stillproblemen, die mit Laktationsberatung lösbar sind und Sprachauffälligkeiten unter 3 Jahren


  • ✅ Eingreifen: bei starker anteriorer Ankyloglossie (Typ I/II) mit Stillproblemen trotz kompetenter Beratung, funktionell relevanten Zungenrestriktionen oder Artikulationsstörungen ab 4–5 Jahren


Eine deutsche Leitlinie zur Ankyloglossie gibt es leider noch nicht. Das macht es uns Zahnärzt:innen nicht leichter, mit besorgten Müttern in der Praxis umzugehen, die mit einer Instagram-Diagnose zu Dir kommen. Die Entscheidung zur Frenotomie sollte aber immer funktionsbasiert, interdisziplinär abgestimmt und frei von kommerziellen Interessen erfolgen.


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Bottom Line: 

 

  • Die Frenotomie-Raten sind explodiert, obwohl die Evidenz fehlt
  • "Posteriores Zungenband" ist keine validierte Diagnose – und keine OP-Indikation
  • Frenotomie bei Neugeborenen scheint wenig Einfluss auf Stillen und Sprachentwicklung zu haben. Die Frenektomie ab 4-5 Jahren aber schon
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TL Pro

Nur für Pros: Das CME-Quiz

Noch kein Pro-Mitglied? Guck Dir ruhig das CME-Quiz an – hättest Du es richtig gelöst? :)

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Was musst Du wissen? 

 

  • 2 CME Punkte (Nur für Pros)
  • Du musst mindestens 7/10 Fragen richtig beantworten
  • Das Zertifikat wird Dir innerhalb von ein paar Minuten per Mail zugeschickt (Nur für Pros)
  • Nicht bestanden? Du kannst das Quiz wiederholen 🤓

 

→ Hier geht's zum Quiz ←

 

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Alle Infos zur Toothletter Pro Mitgliedschaft findest Du hier:
 

https://pro.toothletter.de

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Der Autor

Dr. Tilmann Seifert

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Hey, ich bin Tilmann und ich bin FZA für Oralchirurgie aus Berlin. Seit Januar 2024 gebe ich jeden zweiten Freitag den Toothletter heraus – den Newsletter, den ich selbst gebraucht hätte, als ich 9 Stunden am Tag in der Praxis stand und keine Zeit für Leitlinien hatte.


Meine Mission: Ich will möglichst viele Zahnärzt:innen im Praxisalltag mit einfach zugänglichem Wissen unterstützen. Dabei ist mir wichtig, dass der Toothletter immer transparent und unabhängig ist.

Dr. Tilmann Seifert
10967 Berlin-Kreuzberg
Deutschland

Die in diesem Newsletter bereitgestellten Informationen dienen ausschließlich der fachlichen Fortbildung von Zahnärzt:innen. Sie ersetzen nicht die persönliche professionelle Urteilsbildung und Entscheidungsfindung im Einzelfall. Es liegt in der Verantwortung der Behandelnden, die Aktualität, Korrektheit, Vollständigkeit oder Qualität der bereitgestellten Informationen zu überprüfen.

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