In Deutschland werden laut statista.de jährlich etwa 100.000 Herzschrittmacher und Defibrillatoren implantiert. Gar nicht so unwahrscheinlich, dass Du in diesem Jahr mehr als einen dieser Risikopatienten auf dem Behandlungsstuhl sitzen hast.
Was musst Du wissen? Herzschrittmacher (HSM) und implantierte Kardioverter-Defibrillatoren (IKD) können potenziell empfindlich auf elektronische Geräte in der Praxis reagieren. Besonders auf Ultraschallscaler. Die Hersteller Dentsply Sirona, Medtronic und Boston Scientific sind der Meinung, dass eine Störung von HSM oder IKD sehr unwahrscheinlich ist. Dennoch empfielt Dentsply Sirona im Handbuch zu ihrem Ultraschallscaler "Cavitron Jet Plus", das Gerät mit einem Sicherheitsabstand von 15-23 cm zum Herzschrittmacher zu verwenden.
Ich habe natürlich gleich nachgemessen: der Abstand zwischen meinem Mund und der Lokalisation auf meinem Brustkorb für einen HSM beträgt bei mir weniger als 23 cm 💁🏼♂️ Andere Hersteller (EMS, Mectron u.a.) sehen das weniger relaxed. Sie erkennen eine schädliche Wirkung auf die lebenswichtige Funktion von Herzschrittmachern und Defibrillatoren an. Gemeinsam haben alle Herstellerangaben: Es gibt keine Garantie auf den komplikationslosen Einsatz von US-Scalern bei besagten Risikopatienten. Und das ist nachvollziehbar. Wie solltest Du Dich in der Praxis verhalten? Die Stellungnahme der DG-Paro empfiehlt den Einsatz von Airscalern anstatt Ultraschall-Scalern. Die sind druckluftbetrieben und damit sicher einzusetzen. Handinstrumente sind natürlich auch eine (aufwendigere) Alternative. 👋 CAVE: Unipolare Elektrokauter dürfen bei diesen Patienten gar nicht zum Einsatz kommen! (Ob Dein Kauter unipolar ist, erkennst Du an der Neutralelektrode an einem zweiten Kabel) |