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| |  TOOTHLETTER Dein 5-Minuten-Wissens-Update aus der Zahnwelt | Inhalt | | | Toothletter Pro Mitglieder verdienen 2 CME-Punkte mit dieser Ausgabe 🎖️ | Hey ,
herzlich Willkommen zur 60. Ausgabe des Toothletters – besonders an die 102 neuen Leser:innen seit der letzten Ausgabe! 👋🏼
Letzte Woche gab's auf Insta viele Kommentare unter meinem Post zum Thema AB bei Hüftprothesen. Deswegen wollte ich in dieser Ausgabe mehr Kontext geben. Ganz wichtig: Auf Insta bin ich gezwungen, Informationen super stark zu komprimieren.
Nur hier im Toothletter kann ich Themen tiefer behandeln. 🙏🏼
Ich wünsch Dir ein starkes Frühlingswochenende!
Dein Tilmann |
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P.S. Ich suche 3 Praxen als Beta-Tester für Toothletter Pro für Teams. Wenn Du Interesse hast, antworte auf diese Mail oder trag Dich hier ein.
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| | | | | | | | | | | Periapikale Veränderung rg. 36 im Verlauf (Bild: DDr. Lukas Salbrechter) |
| Was ist Deine Verdachtsdiagnose? |
| Befund: Apikale Aufhellung (2023) bzw. apikale Verschattung mit deutlichem Randsaum (2025)
Fragestellung: Verdachtsdiagnose? Therapie? |
| | | Vielen Dank an Lukas von 'Die Kieferchirurgen', der diesen Fall mit der Toothletter Community geteilt hat. 🙏🏼
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| | | | Bild: TS (erstellt mit generativer KI) |
| UPDATE: Antibiotikum bei jedem Patienten mit Endoprothese? |
| Noch vor einem halben Jahr habe ich auf Insta in Bezug auf diese Frage das hier geposted:
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Aber ich war mit dieser pauschalen Aussage etwas voreilig. Oder besser gesagt: Ich habe mich auf die verantwortliche Fachgesellschaft verlassen – die Deutsche Gesellschaft für Endoprothetik. (Denn die müssen es ja wissen!)
Die Fachgesellschaft hat nämlich erst im Januar 2022 empfohlen, bei allen Patient:innen mit Hüft- oder Knieprothese vor "blutigen Zahneingriffen" eine antibiotische Prophylaxe zu geben. Unabhängig davon, wie lange die Endoprothese schon implantiert ist. Und das, obwohl es sich laut den Expert:innen um einen Off-Label-Use handele und die Empfehlung nicht mit Evidenz untermauert sei. Puh, okay…? 🤨
Fast zeitgleich zu dieser Handlungsempfehlung hat dieselbe Fachgesellschaft eine zweite Stellungnahme veröffentlicht. Darin bezieht sie sich auf eine britische Studie, die eine routinemäßige Antibiotikaprophylaxe vor invasiven zahnärztlichen Eingriffen bei Patienten mit Gelenkprothesen für nicht erforderlich hält (2022). Die Deutsche Gesellschaft für Endoprothetik wolle deswegen ihre Stellungnahme prüfen.
Das ist jetzt über 4 Jahre her.
Inzwischen hat die amerikanische Gesellschaft orthopädischer Chirurgen (AAOS) eine Guideline veröffentlicht (2024). Deren Empfehlung lautet:
Keine routinemäßigen Antibiotika vor invasiven zahnärztlichen Eingriffen bei Patient:innen mit Hüft- oder Knieprothesen.
Wobei auch diese Gesellschaft anerkennt, dass die Empfehlung auf schwacher Evidenz beruht (limited-strength option). Bei Risikopatient:innen solle im Einzelfall entschieden werden.
Die Guideline gibt außerdem diese Zeitfenster vor, in denen bestimmte zahnärztliche Eingriffe vor bzw. nach Implantation einer Endoprothese nicht durchgeführt werden sollten:
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| | | "Dental Timing Chart" der AAOS, 2024 |
| Wieso es keine klareren Anweisungen für uns Zahnärzt:innen gibt? Weil das methodisch fast unmöglich ist. Dafür müsste eine Studie alle Prothesenträger:innen nach zahnärztlichen Behandlungen nachverfolgen und überprüfen, wie viele eine dadurch hervorgerufene Protheseninfektion entwickeln.
Es liegt also an uns Mediziner:innen, die bestmögliche Entscheidung für unsere Patienten zu treffen. |
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| | | | Bild: TS (erstellt mit generativer KI) |
| Anästhesieversager: Es liegt nicht an Dir – es liegt an… |
| Auf dem Tray zähle ich sieben Zylinderampullen – sechs davon leer. Ich spanne die letzte volle Karpule ein und ziele erneut auf die Plica pterygomandibularis im linken Unterkiefer. Last chance. Mein Ego will es nicht zulassen, Herrn Rödig* mit dieser Ruine eines unteren Molaren wieder gehen zu lassen.
Ich piekse zum x-ten Mal mit meiner Sonde in die Unterlippe und die bukkale Gingiva der Seitenzähne. Nada. Kein Gefühl. Trotzdem stöhnt mein Patient laut auf, als ich den Zahn mit dem Hebel nur berühre. Sh*t, denke ich. Die Ruine hat gewonnen.
Bis zu diesem Tag dachte ich, dass es Anästhesieversager gar nicht gibt, sondern nur schlechte Technik. Jetzt war ich selbst ein Anästhesieversager. 🤦🏼♂️
Aber ist der Anteil von Behandler-unabhängigen Anästhesieversagern womöglich viel größer, als ich dachte?
Meine Lektion von dieser Niederlage: Lippentaubheit ≠ pulpale Anästhesie. Das bestätigt auch die Wissenschaft: Die Pulpa von gesunden Unterkiefermolaren ist nach einer Leitung nur in 69% der Fälle anästhesiert. Trotz 100% Lippentaubheit bei allen Proband:innen (2001). Bei einer irreversiblen Pulpitis sind sogar nur 17-57% der Leitungen erfolgreich (2020).
Physio-Recap: 3 Gründe dafür, wieso das Anästhetikum nicht richtig wirkt. 👇🏼
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| - 🔴 Der pH-Wert in entzündetem Gewebe ist niedrig (sauer). Dadurch liegt das Anästhetikum überwiegend in der ionisierten, positiv geladenen Form vor. Diese Form kann die lipophile Nervenmembran nicht durchdringen und den Natriumkanal von innen nicht blockieren – das Anästhetikum wirkt nicht.
- 🔴 In pulpitischen Zähnen werden an den Schmerzrezeptoren bestimmte Natriumkanäle vermehrt ausgebildet. Lokalanästhetika können diese Rezeptoren deshalb schlechter blockieren und die Aktionspotenziale (=Schmerzimpulse) werden trotzdem zum Gehirn weitergeleitet.
- 🔴 Anatomische Varianten: DVT-Untersuchungen haben gezeigt, dass bei 9,2% der Patient:innen ein doppelter oder akzessorischer Mandibularkanal vorliegt (2025). Außerdem können UK-Molaren zusätzlich über akzessorische Fasern des N. mylohyoideus mitinnerviert werden (2019). Beide anatomischen Varianten können die Effektivität der Leitungsanästhesie beeinträchtigen.
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Mein Anästhesieversager und ich wollen uns aber nicht herausreden: Laut einer Untersuchung ist der entscheidendste Faktor für den Erfolg einer Leitungsanästhesie der Behandler (2001). Wir (ich) müssen uns also eingestehen, dass ein Anästhesieversager auch einfach mal an uns selbst liegen kann. 😇 |
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Und was machst Du, wenn die Lippe taub ist, aber der Zahn nicht? Einfach nachspritzen, so wie ich das gemacht habe? Das bringt selten etwas. Hier sind 3 bessere Tipps:
- ✅ N. buccalis Anästhesie als Add-on zur Leitungsanästhesie steigert den Erfolg im UK-Molaren-Bereich deutlich
- ✅ Intraligamentäre Anästhesie (ILA) nachlegen (Erfolgsrate bei pulpitischen Zähnen bis zu 84% (2022))
- ✅ Mit der Leitungsanästhesie-Technik nach Gow-Gates erreichst Du den N. alveolaris inferior, bevor sich N. lingualis und N. buccalis abspalten.
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| Mein 3-in-1-Tipp: Gib im Bereich des Foramen mandibulae ein erstes Depot des Anästhetikums ab. Dafür muss Deine Nadel mindestens 1,5-2 cm versenkt sein, sonst bist Du nicht an der richtigen Stelle. Danach schwenkst Du die Nadel Richtung Mittellinie und ziehst sie um wenige Millimeter zurück. Hier gibst Du ein zweites Depot für den N. lingualis ab. Zieh die Nadel vollständig raus und gib ein drittes Depot als Infiltration vestibulär im Bereich des 8ers für den N. buccalis ab. |
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| Was musst Du wissen? - 2 CME Punkte (Nur für Pros)
- Du musst mindestens 7/10 Fragen richtig beantworten
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| | Der Autor | | | | | | |
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| Hey, ich bin Tilmann und ich bin FZA für Oralchirurgie aus Berlin. Seit Januar 2024 gebe ich jeden zweiten Freitag den Toothletter heraus – den Newsletter, den ich selbst gebraucht hätte, als ich 9 Stunden am Tag in der Praxis stand und keine Zeit für Leitlinien hatte.
Meine Mission: Ich will möglichst viele Zahnärzt:innen im Praxisalltag mit einfach zugänglichem Wissen unterstützen. Dabei ist mir wichtig, dass der Toothletter immer transparent und unabhängig ist. |
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Dr. Tilmann Seifert 10967 Berlin-Kreuzberg Deutschland Die in diesem Newsletter bereitgestellten Informationen dienen ausschließlich der fachlichen Fortbildung von Zahnärzt:innen. Sie ersetzen nicht die persönliche professionelle Urteilsbildung und Entscheidungsfindung im Einzelfall. Es liegt in der Verantwortung der Behandelnden, die Aktualität, Korrektheit, Vollständigkeit oder Qualität der bereitgestellten Informationen zu überprüfen. Impressum | Datenschutz | | |
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