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Ausgabe 06-2

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TOOTHLETTER

Dein 5-Minuten-Wissens-Update aus der Zahnwelt


Inhalt

Verdachtsdiagnose

Praxistipp

Mythen der Zahnwelt

CME-Quiz

Toothletter Pro Mitglieder verdienen 2 CME-Punkte mit dieser Ausgabe 🎖️

Hey !


Bin diese Woche im Überlebensmodus – in meinem Arbeitszimmer im Dachgeschoss sind es über 30°C ... 🥵

Hoffe, Du hast eine Klimaanlage im Behandlungszimmer!


Stay hydrated & übersteh gut das Wochenende!

Dein Tilmann



P.S. Das CME-Quiz für Toothletter Pros (und alle Neugierigen) hat jetzt einen komplett neuen Look bekommen! Probier's mal aus (ganz unten).


Immerhin hatte Rossmann einen Toothletter-Schirm im Angebot!


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Verdachtsdiagnose

MSH-Veränderung am li. Zungenrand

(Bild: TS)

Was ist Deine Verdachtsdiagnose?

Befund: Exophytische Veränderung am linken Zungenrand im Bereich der Zungenwurzel


Fragestellung: Verdachtsdiagnose? Therapie?

Hier geht's zur Auflösung!

Praxistipp

Bild: TS

Dexamethason: Weniger Schmerz, bessere Anästhesie?

Ich hatte diesen jungen Mann ziemlich heftig verprügelt. 60 Minuten früher ragte er mit seinen über Einsneunzig noch weit über mich – jetzt trug er seinen Kopf zwischen den Beinen. Der verlagerte 48 war zwar draußen, aber die zusätzliche Zahnanlage hatte ich belassen müssen. Zu heikel direkt am N. alveolaris.


Z.n. Ost 48

Gegen die Schwellung schrieb ich ihm Prednisolon auf, in absteigender Reihe. Erst 20mg, danach jeweils 10, 10, 5, 5. Jeden Tag eine Tablette. So hatte ich das gelernt.


Was ich damals noch nicht wusste: Dieselbe Wirkung hätte ich auch mit Dexamethason erreichen können, bei deutlich niedrigerer Dosis. Und im Gegensatz zu Predni hat Dexa praktisch keine mineralkortikoide Aktivität – dazu gehören typische Steroid-Nebenwirkungen wie Wasserretention und Blutdruckeffekte.


Fast-forward zur Gegenwart: Dexamethason trendet auf einmal in der Zahnmedzin. Aber wie kommt das? Was macht dieses Glukokortikoid auf einmal so beliebt?


Eine neuere Übersichtsstudie hat den Einsatz von Kortikosteroiden in der Endodontie popularisiert (2024a, 2024b). Die - moderate - Evidenz deutet darauf hin, dass die präoperative Einmalgabe von Glukokortikoiden wie Dexamethason die Schmerzen nach endodontischen Eingriffen reduzieren kann.


Aber nicht nur das: Die orale Einnahme von 4-8mg Dexamethason 1 Stunde vor dem Eingriff soll auch den Erfolg der Leitungsanästhesie bei irreversibler Pulpitis verbessern können. Anästhesieversager adé?


Nur für Nerds: 🤓


  • Wie wirken Glukokortikoide gegen Schmerzen? Sie hemmen die Bildung entzündungsfördernder Botenstoffe wie Prostaglandine und Leukotriene. Dadurch werden Schmerzrezeptoren weniger empfindlich gemacht.


  • Wieso ausgerechnet Dexa? Dieses Medikament hat im Vergleich zu anderen Glukokortikoiden eine sehr niedrige Äquivalenzpotenz. Das bedeutet, dass Dexamethason bei niedrigerer Dosis dieselbe antiinflammatorische Wirkung hat wie zum Beispiel Hydrocortison (ca. 27-fach höhere glukokortikoide Potenz pro mg).


Worauf musst Du aufpassen? Bei psychiatrischen Erkrankungen, entgleistem Diabetes mellitus, peptischem Ulkus oder Schwangerschaft solltest Du lieber keine Glukokortikoide verabreichen. Bei den meisten gesunden Erwachsenen ist die Einmalgabe von 4-8 mg Dexamethason aber unbedenklich.



Bottom Line:


  • Die präoperative Einmalgabe von Dexamethason (oral) kann endodontische Schmerzen für bis zu 48 Stunden reduzieren
  • Die Einnahme von Glukokortikoiden wie Dexamethason 1h vor dem Eingriff kann die Erfolgswahrscheinlichkeit der Leitungsanästhesie bei irreversibler Pulpitis verbessern
  • Lokal applizierte Glukokortikoide können bei Weisheitszahnentfernungen Schwellung und Trismus vorbeugen
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Mythen der Zahnwelt

Bild: TS

Hitze, Bakterien, Eiter – gibt es wirklich mehr Abszesse im Sommer?

Freitag, 26.06.2026: Fast überall in Deutschland sind es heute über 35 Grad. Und deswegen genau die richtige Zeit, um mit einem Mythos aufzuräumen: Dass bei diesen Temperaturen mehr Abszesse in die Praxis kommen.


Dabei klingt das irgendwie logisch, oder? Wärme, Bakterien, Eiter… Es gab für mich keinen Grund, diese typische Notdienst-Floskel von Hitze und Abszessen nicht zu glauben. Bis ich in die Literatur geschaut habe:


Mehrere Studien aus Deutschland und Österreich konnten keine Assoziation zwischen der Außentemperatur und dem Auftreten von odontogenen Abszessen feststellen. Eine dieser Studien konkludiert, der Zusammenhang "remains a myth". Eine andere titelt sogar mit "A dental myth bites the dust". (2015, 2015, 2020).


Aber nicht nur das, eine Studie beobachtete sogar genau das Gegenteil des eigentlichen Mythos: Dass es einen Zusammenhang zwischen Zahnabszessen und den Wintermonaten gäbe (2023).


Okay, Thema abgehakt, dachte ich. Wenn da nicht noch diese eine Veröffentlichung von der Charité von 2019 wäre… Die Autoren der Studie fanden tatsächlich einen Zusammenhang zwischen der Häufigkeit von Zahnabszessen und der Außentemperatur. Allerdings sowohl bei hohen, als auch bei niedrigen Temperaturen. 

(Fun fact: Einer der Autoren hatte 2015 noch an "A dental myth bites the dust" mitgeschrieben. 😇)


Physiologisch ist so ein Hitze-Einfluss nicht völlig abwegig. Hitze und Dehydratation senken den Speichelfluss – und weniger Speichel bedeutet theoretisch mehr Karies- und Pulpitisrisiko. Für andere Fachbereiche gibt es sogar recht deutliche Hinweise für den Einfluss von der Außentemperatur: Hautinfektionen wie Cellulitis treten saisonal stark gehäuft auf, mit deutlich mehr stationären Aufnahmen in den wärmeren Monaten (2017).


Klingt eigentlich überzeugend. Aber warum gilt das dann bei Zahnabszessen nicht? Eine mögliche Erklärung könnte sein, dass die intraorale Umgebung von der Außentemperatur weitgehend entkoppelt ist. Unsere Körpertemperatur bleibt bei ca. 37 Grad, egal ob draußen ein Schneesturm oder eine Hitzewelle vorherrscht.


Bottom Line: Auch wenn der Mythos bisher nicht abschließend widerlegt werden konnte – es spricht mehr gegen einen solchen Zusammenhang als dafür.


Wie fandest Du diese Ausgabe?

😀 Super interessant!

😐 Ganz okay

☹️ Nicht so der Hit

Weiterlesen...

  • ➡️ Was tun, wenn die Anästhesie nicht wirkt?


  • ➡️ So behandelst Du einen paramandibulären Abszess


  • ➡️ Achtung: Gefährliche Medikamenten-Wechselwirkungen


  • 📚 Im Toothletter-Archiv findest Du alle bisherigen Ausgaben 
TL Pro

Nur für Pros: Das CME-Quiz

Noch kein Pro-Mitglied? Guck Dir ruhig das CME-Quiz an – hättest Du es richtig gelöst? :)

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Was musst Du wissen? 

 

  • 2 CME Punkte (Nur für Pros)
  • Du musst mindestens 7/10 Fragen richtig beantworten
  • Das Zertifikat wird Dir innerhalb von ein paar Minuten per Mail zugeschickt (Nur für Pros)
  • Nicht bestanden? Du kannst das Quiz wiederholen 🤓

 

→ Hier geht's zum Quiz ←

 

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Alle Infos zur Toothletter Pro Mitgliedschaft findest Du hier:
 

https://pro.toothletter.de

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Der Autor

Dr. Tilmann Seifert

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Hey, ich bin Tilmann und ich bin FZA für Oralchirurgie aus Berlin. Seit Januar 2024 gebe ich jeden zweiten Freitag den Toothletter heraus – den Newsletter, den ich selbst gebraucht hätte, als ich 9 Stunden am Tag in der Praxis stand und keine Zeit für Leitlinien hatte.


Meine Mission: Ich will möglichst viele Zahnärzt:innen im Praxisalltag mit einfach zugänglichem Wissen unterstützen. Dabei ist mir wichtig, dass der Toothletter immer transparent und unabhängig ist.

Dr. Tilmann Seifert
10967 Berlin-Kreuzberg
Deutschland

Die in diesem Newsletter bereitgestellten Informationen dienen ausschließlich der fachlichen Fortbildung von Zahnärzt:innen. Sie ersetzen nicht die persönliche professionelle Urteilsbildung und Entscheidungsfindung im Einzelfall. Es liegt in der Verantwortung der Behandelnden, die Aktualität, Korrektheit, Vollständigkeit oder Qualität der bereitgestellten Informationen zu überprüfen.

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