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Ausgabe 07-2

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TOOTHLETTER

Dein 5-Minuten-Wissens-Update aus der Zahnwelt


Inhalt

Verdachtsdiagnose

Praxistipp

Community-Corner

CME-Quiz

Toothletter Pro Mitglieder verdienen 2 CME-Punkte mit dieser Ausgabe 🎖️

Hi !


Eins vorweg: Die Artikel in dieser Ausgabe könnten polarisieren... 😋


Herzlichen Dank an Manuel für seine Mitarbeit an dem neuen Beitrag in der Rubrik Community-Corner.


Du hast auch ein Thema oder einen Patientenfall, den Du mit der Toothletter-Community teilen möchtest? Antworte mir einfach auf diese Email! :)


Wünsche Dir ein fantastisches Wochenende! ☀️

Dein Tilmann


Tooth Trivia: Popstar Kesha (Ke$ha) sammelt seit Jahren die Zähne ihrer Fans – angeblich hat sie bereits mehr als 1.000 erhalten. Daraus ließ sie unter anderem Ketten, Ohrringe und sogar eine Krone anfertigen. Kesha's neuester Aufruf an ihre Fans: „I’m a pop star and I need your teeth.“

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Sammeln wir nicht alle Zähne...?


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Verdachtsdiagnose

Weiße MSH-Veränderung am Gaumen

(Bild: TS)

Was ist Deine Verdachtsdiagnose?

Befund: Weißlich-derbe, nicht abwischbare MSH-Veränderung am harten Gaumen rg. 14-17 palatinal


Fragestellung: Verdachtsdiagnose? Therapie?

Hier geht's zum Quiz!

Praxistipp

Bild: TS

Bye, bye, Bleischürze?

So eine V-förmige radiopake Überlagerung im OPG hatte ich noch nie gesehen. Ich war gerade von der Uniklinik in die Praxis gewechselt – dort hatte ich zwar oft lange auf die Bilder aus der Röntgenabteilung warten müssen, die Qualität war aber meistens top. 


In der Praxis war das genau umgekehrt. Die V-förmige Überlagerung? Ein Bleischürzenartefakt, das meine Helferin, die noch Azubi war, regelmäßig produzierte.


Aber brauchen wir die Bleischürze beim Röntgen überhaupt noch? Die Strahlenschutzkommission (SSK) sagt seit 2022: nicht routinemäßig. Für zahnärztliche Röntgenaufnahmen stuft sie Bleischürze und Schilddrüsenschutz mit "Einsatz nicht empfohlen" ein. Wieso? Weil die in der Zahnmedizin verwendeten Strahlenenergien und Feldgrößen nur so wenig Streustrahlung erzeugen (2022).


Dieses Urteil beruht unter anderem auf Untersuchungen, in denen sich bei OPGs und DVTs keine signifikanten Dosiseinsparungen durch eine Patientenschürze nachweisen ließen (2013, 2017).


Im Gegenteil: Bei falscher Anwendung kann sie sogar Schaden anrichten – durch Artefakte oder verdeckte Anatomie, die Wiederholungsaufnahmen nötig machen. Das passiert besonders häufig bei kyphotischen, gebrechlichen oder im Rollstuhl sitzenden Patient:innen. Rutscht das Blei bei automatischer Belichtungssteuerung ins Messfeld, kann sogar die Dosis ansteigen.


Der Schilddrüsen-Schild hilft nur bei korrekter anatomischer Platzierung (Bild: TS)

Heißt das, die Bleischürzen dürfen aussortiert werden? Nein! Die Sachverständigen-Prüfrichtlinie verlangt weiterhin, dass Du geeignete Patientenschutzmittel vorhältst (2024). Im begründeten Einzelfall, oder wenn Patient:innen es sich ausdrücklich wünschen, kannst Du weiterhin Patientenschutzmittel wie z.B. eine Bleischürze benutzen. Solange sie korrekt sitzt und weder Bildqualität noch Belichtungssteuerung stört.


Sonderfall Schwangere?


Eine Schwangerschaft ist kein Röntgenverbot. Die Strahlenschutzverordnung (StrlSchV) verlangt, alle Möglichkeiten zur Dosisreduktion auszuschöpfen – eine Bleischürze schreibt sie jedoch nicht ausdrücklich vor. Die tatsächliche Belastung des Uterus ist ohnehin sehr gering: Selbst beim OPG liegt die geschätzte Strahlendosis nur im einstelligen Mikrogray-Bereich (2022). Die IAEA hält eine korrekt eingesetzte Bleischürze dennoch für zulässig, auch wenn der absolute Zusatznutzen vernachlässigbar ist (2022). Noch konsequenter ist die ADA: Sie empfiehlt seit 2024, selbst bei Kindern und Schwangeren auf den routinemäßigen Einsatz einer Bleischürze zu verzichten.


Die Bleischürze hat uns ein Gefühl von Sicherheit gegeben. Aber wie schützen wir weiterhin effektiv unsere Patient:innen? Am wichtigsten ist dafür die rechtfertigende Indikation, das kleinste ausreichende Feld und Wiederholungsaufnahmen zu vermeiden. 



Abkürzungsverzeichnis:

ADA = American Dental Association

IAEA = International Atomic Energy Agency

SSK = Strahlenschutzkommission


Du kennst jemanden, der ein Toothletter-Wissens-Update gebrauchen könnte? Dann leite diese Email einfach weiter oder verschicke diese Episode mit WhatsApp

Community-Corner

Bild: TS

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Dieser Beitrag ist in Zusammenarbeit mit Manuel, einem Mitglied aus der Toothletter-Community, entstanden. 🤝

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Wirksam, aber nur im Ausnahmefall empfohlen: Antibiotika bei der AIT

Systemische Antibiotika können die Ergebnisse der nichtchirurgischen Parodontitistherapie nachweislich verbessern. Trotzdem sollen sie nicht routinemäßig zusätzlich zur subgingivalen Instrumentierung eingesetzt werden.


Wie groß ist der klinische Nutzen von Antibiotika überhaupt? In einer systematischen Übersichtsarbeit wurde gezeigt, dass mit adjuvanter, systemischer Antibiotikatherapie eine zusätzliche Reduktion der Sondierungstiefen von etwa 0,5 mm erzielt werden konnten. Bei initial tieferen Taschen sogar um bis zu 1 mm über einen Zeitraum von 12 Monaten (2020).


Das klingt doch gar nicht mal so schlecht! 🤷‍♂️ Wenn wir diesen Millimeter allerdings abwägen gegenüber potentiellen systemischen Nebenwirkungen, Mikrobiomveränderungen und Resistenzbildung in der Bevölkerung? Not worth it, sagt die S3-Leitlinie von 2020.


Gibt es trotzdem noch Indikationen für Antibiotika bei Parodontitis? Laut der Leitlinie kann die adjuvante Gabe bei Patienten mit nachgewiesener rascher Progression erwogen werden. Zum Beispiel bei generalisierter Parodontitis Stadium III oder IV im jüngeren Erwachsenenalter.

Eine der größten Studien zur adjuvanten Antibiotikatherapie bei Parodontitis ("ABPARO") zeigte: Vor allem Patienten mit generalisierter Parodontitis Stadium III, Grad C profitierten von Antibiotika – zusätzlich zur subgingivalen Instrumentierung. Bei ihnen kam es nur etwa halb so häufig zu weiterem Attachmentverlust wie in der Placebogruppe (2023).


Wenn Antibiotika – welche? Eins vorweg: Es existiert keine einheitliche, durch eine aktuelle Leitlinie festgelegte Empfehlung. Die beste Evidenz gibt es aber zu der Antibiotika-Kombination, die schon 1989 von van Winkelhoff beschrieben wurde: Amoxicillin und Metronidazol.


Ebensowenig offiziell empfohlen: Die Dosierung. Die deutsche S3-Leitlinie von 2018 (abgelaufen) nannte als Regime 500 mg Amoxicillin plus 400 mg Metronidazol. Jeweils dreimal täglich über sieben Tage (2018). In der überarbeiteten S3-Leitlinie von 2020 (auch abgelaufen) fällt diese Empfehlung aber weg.

In einer neueren Studie erzielte ein Regime mit 500/500 mg über drei Tage vergleichbare Ergebnisse wie die siebentägige Einnahme, verursachte aber weniger Nebenwirkungen (2022).


Und Mikrobiologische Tests? Zumindest in meinem Studium war das noch gängige Lehrmeinung, um Aggregatibacter actinomycetemcomitans zu identifizieren. Mittlerweile werden solche routinemäßigen Tests aber nicht mehr empfohlen, weil sie die Indikationsstellung und Auswahl des empirischen Antibiotikaregimes meist nicht verändern – sie haben also keine therapeutische Konsequenz (2018, 2024).


Dr. Manuel Lutz


Weiterlesen...

  • ➡️ Warum Du zu oft auf ein OPG verzichtest


  • ➡️ PA-Keime töten, aber der Rest darf bleiben: Mikrobiom-Tuning gegen Parodontitis


  • ➡️ Hyaluronsäure: Lippen, Falten… Zähne?!


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  • Du kennst die Toothletter-Wunschliste noch nicht? Da kannst Du selbst Themenvorschläge einreichen oder die von anderen Leser:innen upvoten. 
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Nur für Pros: Das CME-Quiz

Noch kein Pro-Mitglied? Guck Dir ruhig das CME-Quiz an – hättest Du es richtig gelöst? :)

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Was musst Du wissen? 

 

  • 2 CME Punkte (Nur für Pros)
  • Du musst mindestens 7/10 Fragen richtig beantworten
  • Das Zertifikat wird Dir innerhalb von ein paar Minuten per Mail zugeschickt (Nur für Pros)
  • Nicht bestanden? Du kannst das Quiz wiederholen 🤓

 

→ Hier geht's zum Quiz ←

 

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Alle Infos zur Toothletter Pro Mitgliedschaft findest Du hier:
 

https://pro.toothletter.de

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Der Autor

Dr. Tilmann Seifert

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Hey, ich bin Tilmann und ich bin FZA für Oralchirurgie aus Berlin. Seit Januar 2024 gebe ich jeden zweiten Freitag den Toothletter heraus – den Newsletter, den ich selbst gebraucht hätte, als ich 9 Stunden am Tag in der Praxis stand und keine Zeit für Leitlinien hatte.


Meine Mission: Ich will möglichst viele Zahnärzt:innen im Praxisalltag mit einfach zugänglichem Wissen unterstützen. Dabei ist mir wichtig, dass der Toothletter immer transparent und unabhängig ist.

Dr. Tilmann Seifert
10967 Berlin-Kreuzberg
Deutschland

Die in diesem Newsletter bereitgestellten Informationen dienen ausschließlich der fachlichen Fortbildung von Zahnärzt:innen. Sie ersetzen nicht die persönliche professionelle Urteilsbildung und Entscheidungsfindung im Einzelfall. Es liegt in der Verantwortung der Behandelnden, die Aktualität, Korrektheit, Vollständigkeit oder Qualität der bereitgestellten Informationen zu überprüfen.

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