Systemische Antibiotika können die Ergebnisse der nichtchirurgischen Parodontitistherapie nachweislich verbessern. Trotzdem sollen sie nicht routinemäßig zusätzlich zur subgingivalen Instrumentierung eingesetzt werden.
Wie groß ist der klinische Nutzen von Antibiotika überhaupt? In einer systematischen Übersichtsarbeit wurde gezeigt, dass mit adjuvanter, systemischer Antibiotikatherapie eine zusätzliche Reduktion der Sondierungstiefen von etwa 0,5 mm erzielt werden konnten. Bei initial tieferen Taschen sogar um bis zu 1 mm über einen Zeitraum von 12 Monaten (2020).
Das klingt doch gar nicht mal so schlecht! 🤷♂️ Wenn wir diesen Millimeter allerdings abwägen gegenüber potentiellen systemischen Nebenwirkungen, Mikrobiomveränderungen und Resistenzbildung in der Bevölkerung? Not worth it, sagt die S3-Leitlinie von 2020.
Gibt es trotzdem noch Indikationen für Antibiotika bei Parodontitis? Laut der Leitlinie kann die adjuvante Gabe bei Patienten mit nachgewiesener rascher Progression erwogen werden. Zum Beispiel bei generalisierter Parodontitis Stadium III oder IV im jüngeren Erwachsenenalter.
Eine der größten Studien zur adjuvanten Antibiotikatherapie bei Parodontitis ("ABPARO") zeigte: Vor allem Patienten mit generalisierter Parodontitis Stadium III, Grad C profitierten von Antibiotika – zusätzlich zur subgingivalen Instrumentierung. Bei ihnen kam es nur etwa halb so häufig zu weiterem Attachmentverlust wie in der Placebogruppe (2023).
Wenn Antibiotika – welche? Eins vorweg: Es existiert keine einheitliche, durch eine aktuelle Leitlinie festgelegte Empfehlung. Die beste Evidenz gibt es aber zu der Antibiotika-Kombination, die schon 1989 von van Winkelhoff beschrieben wurde: Amoxicillin und Metronidazol.
Ebensowenig offiziell empfohlen: Die Dosierung. Die deutsche S3-Leitlinie von 2018 (abgelaufen) nannte als Regime 500 mg Amoxicillin plus 400 mg Metronidazol. Jeweils dreimal täglich über sieben Tage (2018). In der überarbeiteten S3-Leitlinie von 2020 (auch abgelaufen) fällt diese Empfehlung aber weg.
In einer neueren Studie erzielte ein Regime mit 500/500 mg über drei Tage vergleichbare Ergebnisse wie die siebentägige Einnahme, verursachte aber weniger Nebenwirkungen (2022).
Und Mikrobiologische Tests? Zumindest in meinem Studium war das noch gängige Lehrmeinung, um Aggregatibacter actinomycetemcomitans zu identifizieren. Mittlerweile werden solche routinemäßigen Tests aber nicht mehr empfohlen, weil sie die Indikationsstellung und Auswahl des empirischen Antibiotikaregimes meist nicht verändern – sie haben also keine therapeutische Konsequenz (2018, 2024).