Bingo! Der Vitamin-B6-Wert lag mit 3,5 ng/ml deutlich unterhalb des Normbereichs. Mein Patient litt an Zungenbrennen und der niedrige VitB6-Spiegel war eine mögliche Erklärung.
Diese "Zungenbrenner" waren unter uns Weiterbildungsassistenten nicht besonders beliebt. Logisch: Es ist viel leichter, Krankheiten zu behandeln, die man sehen kann. Deswegen werden "Zungenbrenner" häufig gar nicht ernstgenommen. Meine Fachzahnarztausbildung habe ich in einer Abteilung für Oralchirurgie und Oralmedizin gemacht. Außer Weisheitszahnentfernungen haben wir extrem viele Patient:innen mit MSH-Läsionen behandelt. Und eben solche mit Zungenbrennen oder BMS (Burning Mouth Syndrome). Bei denen haben wir routinemäßig Vitamin B6, B12 und Folsäure bestimmen lassen und bei vorliegender Hypovitaminose substituiert. Was ist dran an diesen Hypovitaminosen? Und welchen Einfluss haben sie auf die orale Gesundheit? Diese 5 Vitamine sind in der Literatur am prominentesten: - 💊 Vitamin A: Ist essentiell für die Wundheilung von Haut- und Schleimhautzellen. Es spielt eine wichtige Rolle bei der Kollagensynthese und der Bildung von neuem Epithel. (1)
- 💊 Vitamin B6: Ein Forscherteam der amerikanischen Mayo Clinic stellte bei 5,7% der untersuchten BMS-Patienten einen VitB6-Mangel fest. (Auffälliger waren aber ein VitD3- und VitB2-Mangel mit jeweils 15%) (3)
- 💊 Vitamin B12 (und Folsäure): Eine Hypovitaminose ist mit der perniziösen Anämie assoziiert. Oral kann sie sich in Form einer roten, glatten Zunge ("Lackzunge" oder Hunter-Glossitis) bemerkbar machen und häufig mit Zungenbrennen einhergehen. Studien haben gezeigt, dass bei Patienten mit oralen Effloreszenzen die Folsäure- und Vitamin-B12-Spiegel zu niedrig waren. (1)
- 💊 Vitamin C: Eine schwere Hypovitaminose führt zu Skorbut. Dabei ist die natürliche Kollagensynthese gestört. Symptome sind u.a. petechiale Blutungen an den Extremitäten und Gingivitis mit spontanem Zahnfleischbluten. Aktuelle Studien vermuten auch einen Zusammenhang zwischen VitC-Hypovitaminose und PA. (1, 2)
- 💊 Vitamin D: Wird benötigt, um Calcium zu absorbieren und ist damit essenziell für den Knochenstoffwechsel. Vitamin D scheint außerdem einen hemmenden Effekt auf die Sekretion von proinflammatorischen Cytokinen zu haben - das könnte womöglich einen Nutzen für die PA Therapie haben. (2)
(Mehr zu Vitamin D und Osseointegration findest Du in dieser Ausgabe des Toothletters)
Eine Substitution mit diesen Vitaminen kann häufig die Symptome verbessern (z.B. bei rezidivierenden Aphthen oder Zungenbrennen/BMS). CAVE: Fälle von BMS oder Zungenbrennen, die auch nach behandelten Hypovitaminosen persistieren, sollten in einer Fachklinik für Psychosomatik und Psychotherapie vorgestellt werden. |