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Musst Du eine MAV immer plastisch decken? |
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Heute schäme ich mich fast, es zuzugeben: Ich war erleichtert, dass ich diesen Schlamassel nicht mehr selbst ausbaden musste.
Wenn das Augmentat (hoffentlich) eingeheilt sein würde, gäbe es mich längst nicht mehr in dieser Abteilung. Ich hatte nämlich eine Woche vorher gekündigt.
Wie genau mir so etwas Blödes überhaupt passieren konnte, habe ich verdrängt – aber der Lappen war eindeutig perforiert. Und trotz meiner unerhörten Gebete war er wenige Tage später nekrotisch. |
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| | (Falls Du nicht weißt, wie das aussieht: Ein nekrotischer Lappen bekommt eine blasse, fibrin-gelbe bis weißliche Farbe. So auffällig, dass selbst ein Patient merkt, dass etwas nicht mit der Wundheilung stimmt… 🤦🏼♂️) | | |
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Dabei ist es eigentlich nicht schwierig, einen Mukoperiostlappen zu bilden (ohne ihn zu perforieren). Und die beste Möglichkeit, das zu üben, ist eine Mund-Antrum-Verbindung. Deswegen würde ich jedem Anfänger empfehlen, keine Angst vor MAVs zu haben. Sondern sie als Chance zu sehen, genau diese Basics zu lernen.
Mit welchen Lappentechniken lässt sich eine MAV schließen? Die bekannteste und anfängerfreundlichste ist der Trapezlappen nach Rehrmann. Dafür wird vestibulär von der Extraktionsalveole ein trapezförmiger Mukoperiostlappen gebildet. Der tricky Part: Um den Lappen bis über Alveole und MAV ziehen zu können, muss das Periost an der Basis des Lappens geschlitzt werden – erst dann ist er elastisch genug.
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Rehrmann-Plastik (Bild: TS) |
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Bereits operierte und persistierende MAVs sind anspruchsvoller: Sie lassen sich zum Beispiel mit einer Palatinallappenplastik (n. Pichler) schließen. Dabei wird ein dorsal gestielter Mukoperiostlappen am Gaumen gebildet und nach vestibulär geschwenkt. Dieser Lappen wird über die A. palatina major versorgt. Die Spenderregion wird nur mit einem Wundverband abgedeckt und heilt sekundär zu (= epithelialisiert).
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Palatinallappenplastik n. Pichler (Bild: TS) |
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Allerdings muss nicht jede MAV plastisch gedeckt werden. Wenn die Öffnung tief in der Alveole liegt, klein ist (2-3 mm) und keine apikale Entzündung vorliegt, kann laut Jackowski et al. auf eine plastische Deckung verzichtet werden. In so einer Situation kann stattdessen Kollagen eingebracht und die Alveole adaptierend vernäht werden (2026).
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🧠 [RECAP]: Antibiotika bei MAV?
Bei entzündungsfreien Verhältnissen ist laut Jackowski et al. keine antibiotische Abschirmung notwendig. Besteht dagegen eine symptomatische odontogene Sinusitis, ist eine systemische Antibiotikatherapie indiziert. Als Antibiotikum der ersten Wahl empfiehlt die Leitlinie "odontogene Sinusitis maxillaris" Amoxicillin/Clavulansäure. Bei einem infizierten Sinus sollte die Kieferhöhle zusätzlich über die MAV mit Kochsalzlösung gespült und drainiert werden, bis die Spülflüssigkeit klar ist (2026-1, 2026-2). |
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Was ich aus meinem eigenen Lappen-Desaster gelernt habe? Lass Dir bei der Mobilisierung Deines Lappens immer die Zeit, die Du brauchst. Lieber fünf Minuten länger operiert, als einen nekrotischen Lappen zu bekommen. |
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S1 bis S3 – So liest Du Leitlinien in der Praxis |
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Kein Dozent, kein Professor hat jemals in irgendeiner Vorlesung erwähnt, was das überhaupt ist – aber auf einmal waren sie da in meinem Leben:
Leitlinien.
Anscheinend hätte ich davon gehört haben sollen. Eine Kommilitonin meldete sich nämlich in einer MKG-Vorlesung und zitierte stolz aus der neuen "S3-Leitlinie"…
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S3 hörte sich für mich sehr, sehr seriös an. Was genau es bedeutet – und dass es auch Abstufungen davon gibt – erfuhr ich erst fünf Jahre später während meiner Fachzahnarztausbildung.
Seitdem habe ich ungefähr 50 Leitlinien gelesen. Ja wirklich, ich habe nachgezählt: die Hälfte davon für meine Fachzahnarztprüfung und die andere Hälfte für den Toothletter. Aber wie liest man überhaupt so eine Leitlinie? 🤷♂️
Eins vorweg: Alle Leitlinien der medizinischen Fachgesellschaften in Deutschland findest Du im AWMF-Register. Die AWMF gibt nur die wissenschaftlichen Standards vor, die Fachgesellschaften schreiben die Leitlinien selbst. (Fun fact: Das 'S' in S3 steht nicht für seriös.)
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Stufenklassifikation nach Systematik (Bild: awmf.org) |
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Die "S-Klasse" sagt Dir vor allem, wie systematisch die Leitlinie entwickelt wurde. Aber für deinen Praxisalltag ist noch etwas anderes entscheidend: Wie stark sind eigentlich die einzelnen Empfehlungen, die darin stehen?
Soll, sollte oder kann. Vielleicht sind dir schon einmal diese kleinen Kästen mit Empfehlungen in einer Leitlinie aufgefallen:
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- Eine Therapie soll durchgeführt werden.
- Eine Therapie sollte durchgeführt werden.
- Eine Therapie kann durchgeführt werden.
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Ich habe das bis vor Kurzem noch für unterschiedliche Formulierungen derselben Aussage gehalten. (Ja, wirklich… 🥹) Aber das ist es nicht: Diese drei Wörter sind eine Abstufung des Empfehlungsgrades (2025).
- soll → starke Empfehlung
- sollte → Empfehlung
- kann → offene Empfehlung
Wichtige Unterscheidung: Eine starke Empfehlung ist nicht dasselbe wie starke Evidenz. Der Empfehlungsgrad berücksichtigt nicht nur die Studienlage, sondern z. B. auch Nutzen und Risiken einer Maßnahme. Deshalb kann auch bei begrenzter Evidenz eine starke Empfehlung herauskommen.
Muss ich mich als Zahnarzt zwingend an die Leitlinien halten? Leitlinien sind keine Gesetze und rechtlich nicht unmittelbar bindend. Sie sollen Dir helfen, eine gute klinische Entscheidung zu treffen – nicht sie Dir abnehmen. Du kannst also von einer Empfehlung abweichen, wenn sie für Deinen konkreten Patientenfall nicht passt. Ganz egal sind Leitlinien deshalb aber natürlich nicht: Sie können den fachlichen Standard mitprägen und auch dann relevant werden, wenn ein Behandlungsfehler beurteilt werden muss.
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Bottom Line:
- S1-S3 → Wie systematisch wurde die Leitlinie erstellt?
- soll / sollte / kann → Wie stark ist die Empfehlung?
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