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TOOTHLETTER
Dein 5-Minuten-Wissens-Update aus der Zahnwelt
| Inhalt | | Toothletter Pro Mitglieder verdienen 2 CME-Punkte mit dieser Ausgabe 🎖️ | Hi!
Letztes Wochenende war ich auf DEM Berliner Dental-Event des Jahres: Der Blockparty von Berlin Dental Hub. (Grüße gehen raus an Paul und Mischa! 🙌🏼)
Das Event war der tosende Abschluss des Dental Street Days – ein Samstag, an dem teilnehmende Berliner Praxen kostenlos wohnungslose Menschen behandelt haben. Wenn Du das nächste Mal auch dabei sein willst – meld Dich einfach bei BDH! :)
Genieß Dein Wochenende und stay toothy! ✌️ Dein Tilmann
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| | | | | | | | | | | NEWS: Ich veranstalte im November zusammen mit PD Dr. Dirk Schulze den ersten Toothletter Röntgen-Aktualisierungskurs. 🥳 Achtung: Es wird dieses Jahr nur einen Termin geben. Wenn Du Interesse hast, trag Dich hier auf der Warteliste ein! | | | | | | | | | |
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| Grüße an Cyril, Mischa, Konstantin, Rena und Isabell :) |
| | | | Girlandenförmige Veränderung der marginalen Gingiva (Bild: TS) |
| Was ist Deine Verdachtsdiagnose? |
| Befund: Diffuse Rötung der befestigten Gingiva vom Seitenzahn- bis in den Frontzahnbereich mit feiner weißlicher, netzartiger Zeichnung
Fragestellung: Verdachtsdiagnose? Therapie? |
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| | | | Als ich ihren Namen in die Suchleiste eingebe, fühle ich meinen Herzschlag bis zum Hals. Der Befund sah wirklich nicht gut aus. Aber vielleicht war es ja doch noch kein Plattenepithelkarzinom.
Der PDF-Viewer lädt. Und lädt. Und lädt... Ich scrolle durch den OP-Bericht und hoffe, dass ich dieses eine Wort nicht finden würde – aber da ist es:
"Kieferteilresektion".
Game over, denke ich. Hatte ich das verbockt? Hätte ich sie noch engmaschiger einbestellen müssen?! Alle 6-12 Wochen habe ich Anteile ihres oralen Lichen planus (OLP) exzidiert und zur Histopatho geschickt. Geringgradige, manchmal mäßiggradige Dysplasie, nie mehr… Aber von einem Recall-Termin auf den nächsten war es maligne transformiert, das hatte ich sofort gesehen – und die Patientin zur MKG geschickt.
Bei etwa 1 % der OLP-Fälle kommt es zu einer malignen Transformation. Bei den erosiv-atrophischen Formen (also die roten) ist das Risiko höher als bei den weißen Formen wie z.B. dem retikulären OLP (2023, 2024).
Aber welche unterschiedlichen Formen des OLP gibt es überhaupt? Klinisch werden grob weiße und rote Formen des OLP unterschieden.
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| Weiße Formen
- ⚪️ retikulär → Wickham-Streifen (Striae)
- ⚪️ plaqueartig → homogene weiße Plaques
- ⚪️ papulär → kleine weiße Papeln
Rote Formen
- 🔴 atrophisch/erythematös → gerötete, ausgedünnte Mukosa
- 🔴 erosiv/ulzerativ → Erosionen bzw. Ulzerationen
- 🔴 bullös → selten, Blasenbildung
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| Klinisch treten diese Formen häufig auch als Mischform auf, wie zum Beispiel der retikuläre Typ mit erosiven Anteilen (Bild 2).
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| | Bild 1: Oraler Lichen planus, retikulärer Typ | | |
| | Bild 2: Oraler Lichen planus, retikulär und erosiv | | |
| | Bild 3: Oraler Lichen planus, plaqueförmig und retikulär |
| Das Recall-Intervall muss an den individuellen Befund angepasst werden (2020):
- ✅ Weiße Formen (asymptomatisch) → meist 12 Monate
- 🚨 Rote Formen → etwa 3–6 Monate
- 🚨 Dysplasie → etwa 2–3 Monate, bei Veränderungen erneut biopsieren
Der orale Lichen planus ist eine chronische Erkrankung mit kleinem, aber realem Transformationsrisiko. Selbst engmaschige Kontrollen verhindern nicht jede Transformation. Entscheidend ist, dass Du Veränderungen früh erkennst und konsequent abklärst.
(Aus Pietät gegenüber der Patientin habe ich die Bilder des Falls aus der Einleitung hier nicht gezeigt.) |
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| | | | | | Lass uns ehrlich sein:
Wir sind die einzigen Ärzte, die regelmäßig unseren Patient:innen in den Mund schauen. Trotzdem sind wir schnell unsicher, wenn's um Befunde geht, die nicht direkt etwas mit den Zähnen zu tun haben.
Einzelbilder befunden? Easy! Aber eine diffuse Verschattung im Unterkiefer-Corpus? Puuhh… 😮💨
Oder ein Ulcus am Zungenrand – klar, das könnte eine Aphthe sein! Aber könnte das auch…?
Dabei müssten wir als Expert:innen der Mundhöhle genau über solche Befunde deutlich mehr wissen. Und vor allem mit mehr Selbstbewusstsein Entscheidungen treffen können:
- Wann nehme ich eine Bürstenzytologie? Wann eine Biopsie?
- Wann muss ich mir die MSH-Veränderung nochmal anschauen?
- Oder überweise ich lieber sofort?
Genau deswegen habe ich Toothletter Pro Atlas entwickelt. Ein Nachschlagewerk der unterschiedlichsten intraoralen, als auch röntgenologischen Befunde. Das mit jeder Toothletter-Ausgabe um einen Fall wächst.
Mit Toothletter Atlas wirst Du selbstsicherer bei Befunden, die über Karies, Pulpitis und Parodontitis hinausgehen.
Aber Achtung: Deine Kolleg:innen könnten Deine Kompetenz bemerken. 😋
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| Toothletter Atlas ist ab jetzt Bestandteil der Toothletter Pro Mitgliedschaft.
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| | | Rauchen, Kaffee, Milchprodukte: Was ist nach der Ex wirklich verboten? |
| Ich höre die Sharpey-Fasern zwischen den Fingern meiner linken Hand reißen. Wenige Augenblicke später lasse ich den Molaren auf das Schwebetray fallen – klonk.
Noch während ich die Wunde vernähe, spule ich die ewig gleiche Leier über das Post-OP-Verhalten ab:
Kein Rauchen, kein Alkohol, keine heißen Getränke, kein Tee, kein Kaffee, keine starke körperliche Belastung, nicht kräftig Ausspülen, keine harten Speisen. Kühlen, kühlen, kühlen aber bitte immer Pausen dazwischen machen…
Aber sind diese ganzen Anweisungen zum postoperativen Verhalten wirklich nötig?
Oder sind viele dieser Verhaltensregeln eigentlich nur überlieferte Ammenmärchen ohne jegliche Evidenz? Ich habe mir die Mühe gemacht und in die Literatur geschaut. Unterteilt habe ich die unterschiedlichen Statements nach klar sinnvoll (🟢), plausibel (🟡) und wenig sinnvoll (🔴). Let's go! 🤓
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| 🟢 Sinnvoll:
- Nicht rauchen → deutlich erhöhtes Alveolitis-Risiko bei Rauchern (2022)
- Essen erst nach Abklingen der Anästhesie → verhindert Bissverletzungen/Verbrennung
🟡 Plausibel – aber schlecht oder indirekt untersucht
- Nicht kräftig ausspülen → Herauslösen des Koagulums plausibel, aber nicht belegt (2010)
- Keine starke körperliche Belastung → Nachblutung durch Blutdruckanstieg plausibel, aber keine direkten Studien
- Kein Alkohol → Vasodilatation und Interaktionen mit Medikamenten plausibel, keine direkte Evidenz für eine spezifische Karenzzeit
- Keine harten Speisen → mechanische Irritation, Speisereste in der Alveole und Zug auf die Nähte plausibel
- Kühlen → lindert wahrscheinlich Schmerzen und Schwellung, aber Nutzen und optimales Kühlprotokoll nur begrenzt belegt (2019, 2025)
- Keine heißen Getränke → Wärme erhöht zwar kurzfristig die gingivale Durchblutung – eine erhöhte Nachblutungsrate wurde aber nicht gezeigt (2001)
🔴 Wenig sinnvoll:
- Kein Kaffee → für Kaffee/Koffein an sich keine belastbare Evidenz. Relevant wäre höchstens die Temperatur.
- Kein schwarzer Tee → siehe oben
- Keine Milchprodukte → Milchprodukte haben keinen Einfluss auf die Wundheilung (2025)
- Kein Strohhalm → Es gibt keine Evidenz dafür, dass Trinken durch einen Strohhalm eine Alveolitis sicca begünstigen würde (2012)
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Bottom Line: Erstaunlich wenige Punkte von der langen Verbotsliste sind also wirklich gut belegt. Das bedeutet natürlich nicht, dass Du niemanden mehr über postoperatives Verhalten aufklären solltest. Aber vielleicht kannst Du den Monolog ab jetzt aufs Wesentliche beschränken. 😌
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Du hast was gelernt?
Jeden 2. Freitag in Dein Postfach
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- Du kennst die Toothletter-Wunschliste noch nicht? Da kannst Du selbst Themenvorschläge einreichen oder die von anderen Leser:innen upvoten.
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 | | Noch kein Pro-Mitglied? Guck Dir ruhig das CME-Quiz an – hättest Du es richtig gelöst? :) | | |
| Was musst Du wissen? - 2 CME Punkte (Nur für Pros)
- Du musst mindestens 7/10 Fragen richtig beantworten
- Das Zertifikat wird Dir innerhalb von ein paar Minuten per Mail zugeschickt (Nur für Pros)
- Nicht bestanden? Du kannst das Quiz wiederholen 🤓
→ Hier geht's zum Quiz ← |
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| Der Autor | | |  | |
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| Hey, ich bin Tilmann und ich bin FZA für Oralchirurgie aus Berlin. Seit Januar 2024 gebe ich jeden zweiten Freitag den Toothletter heraus – den Newsletter, den ich selbst gebraucht hätte, als ich 9 Stunden am Tag in der Praxis stand und keine Zeit für Leitlinien hatte.
Meine Mission: Ich will möglichst viele Zahnärzt:innen im Praxisalltag mit einfach zugänglichem Wissen unterstützen. Dabei ist mir wichtig, dass der Toothletter immer transparent und unabhängig ist. |
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Dr. Tilmann Seifert
10967 Berlin-Kreuzberg
Deutschland
Die in diesem Newsletter bereitgestellten Informationen dienen ausschließlich der fachlichen Fortbildung von Zahnärzt:innen. Sie ersetzen nicht die persönliche professionelle Urteilsbildung und Entscheidungsfindung im Einzelfall. Es liegt in der Verantwortung der Behandelnden, die Aktualität, Korrektheit, Vollständigkeit oder Qualität der bereitgestellten Informationen zu überprüfen. Impressum |
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