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TOOTHLETTER
Dein 5-Minuten-Wissens-Update aus der Zahnwelt
| Inhalt | | Toothletter Pro Mitglieder verdienen 2 CME-Punkte mit dieser Ausgabe 🎖️ | Hey!
Dieser Toothletter erreicht Dich aus Nordspanien – diesmal einfach nur Urlaub (und kein Arlaub/Urbeit)!
Schicke Dir herzliche Herbstgrüße und stay toothy! ✌️
Dein Tilmann |
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| NEWS•NEWS•NEWS Im November findet der erste Toothletter Röntgen-Aktualisierungskurs mit Dr. Dirk Schulze statt. Leider wird es dieses Jahr nur einen Termin geben. Wenn Du Interesse hast, trag Dich unverbindlich auf der Warteliste ein! |
| | | | Rundliche Ulzeration am harten Gaumen (Bild: Dr. Helena Schweizer) |
| Was ist Deine Verdachtsdiagnose? |
| Befund: Rundliche Ulzeration am harten Gaumen rg. 16, zentral gelblich-weiß belegt mit schmalem roten Randsaum
Fragestellung: Verdachtsdiagnose? Therapie? |
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| | | Heilinjektion mit Procain: Mehr als nur eine Lokalanästhesie? |
| Als "Schulmedizinopfer" hat mich vor ein paar Tagen ein Kollege auf Insta beschimpft… 🤦🏼♂️
Weil ich geschrieben hatte, dass Hydroxylapatit Stand heute kein gleichwertiger Fluorid-Ersatz ist.
Ich kann natürlich nicht widerstehen und tippe auf sein Profil – wo ich lauter Posts aus dem "Fringe"-Bereich der Zahnmedizin finde. Bei einem dieser Posts bleibe ich hängen: "Belasten deine Zähne deinen Körper? Wie ich mit Procain Störfelder lokalisiere."
In alternativmedizinischen Kreisen wird Procain zur Lokalisierung solcher "Störfelder" und für sogenannte Heilinjektionen verwendet. Die Idee dahinter: Procain soll nicht nur betäuben, sondern über das Nervensystem eine Art "Regulation" auslösen – und ein vermeintliches Störfeld vorübergehend ausschalten.
Ist Procain also wirklich mehr als ein Lokalanästhetikum? Pharmakologisch betrachtet: ein bisschen. Procain kann nicht nur Nerven betäuben, sondern auch Entzündungs- und Immunreaktionen beeinflussen (2022). Allerdings zeigen auch andere Lokalanästhetika wie Lidocain ähnliche Effekte. Procain hat also keine besonderen Superkräfte. Dass ausgerechnet Procain in der Neuraltherapie zum vermeintlichen Heilmittel wurde, hat vor allem historische Gründe. |
| Exkurs: Mit dem "Sekundenphänomen" Störfelder lokalisieren. Die Idee geht auf eine Einzelbeobachtung des deutschen Arztes Ferdinand Huneke von 1940 zurück: Chronisch gereizte Areale, später insbesondere auch Zähne, sollen Beschwerden an ganz anderen Stellen des Körpers verursachen können. Wird so ein Zahn mit Procain umspritzt und die kranke Schulter eines Patienten wird binnen Sekunden besser, gilt das als "Sekundenphänomen" (2023). Störfeld gefunden. ☑️ |
| So ein Test beweist aber nicht "cause and effect", wie wir es aus der Wissenschaft kennen. Zunächst einmal sind das zwei aufeinanderfolgende Ereignisse: Procain-Injektion → Veränderung.
Dass sich nach einer Spritze etwas verändert, überrascht uns nicht: Lokalanästhetika blockieren afferente und sympathische Fasern. Dazu kommen Aufregung, Aufmerksamkeit und Erwartung des Patienten – alles Faktoren, die gerade subjektive Schmerzangaben beeinflussen können. So ein Test müsste deshalb verblindet und gegen eine Injektion mit einer Kontrollsubstanz (z.B. NaCl) geprüft werden. Eine solche Validierungsstudie für den Procain-Störfeldtest konnte ich allerdings nicht finden.
Eins habe ich in der Literatur aber wirklich gefunden: Es gibt klinische Hinweise darauf, dass niedrig dosierte Lokalanästhetika bei bestimmten Schmerzsyndromen tatsächlich therapeutisch wirken können (2023). Darin liegt der medizinisch plausible Kern der Neuraltherapie. Störfelder belegt das aber nicht.
Die diagnostische Anästhesie an sich ist völlig legitim. Bei schwer lokalisierbaren pulpalen Schmerzen kann sie helfen, den verursachenden Zahn einzugrenzen (2021). Pseudowissenschaftlich wird es aber, wenn die kurzfristige Besserung eines Symptoms zum Beweis für ein angebliches Störfeld wird – und daraus im schlimmsten Fall eine Therapieentscheidung folgt:
Wenn ein klinisch und röntgenologisch unauffälliger, wurzelbehandelter Zahn raus soll, weil die Schulterbeschwerden einer Patientin nach Procain kurz nachgelassen haben. Und der behandelnde Kollege zufällig auch Keramikimplantate anbietet… 🫣 |
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| | | | | 4 Extraktionstipps für alle, die keine Angst vor Blut haben |
| Ich habe letztes Wochenende mit einer Leserin gesprochen, die gerade in der Weiterbildung zur Oralchirurgin ist. Ihre Ausbilder sind MKG'ler. Kein Wunder also, dass sie gelernt hat, Zähne und Wurzeln grundsätzlich mit Handstück und Lindemann zu teilen.
Wir Chirurgen sind nämlich oldschool. Was irgendein Professor mit bekanntem Namen vor Jahrzehnten oder noch länger gesagt hat, gilt – Tradition wird nicht hinterfragt. (Btw: Dieser Satz ist bewusst nicht gegendert.)
Dabei kann das auch einfacher gehen (Extraktionstipp #1). Stell Dir einen retinierten 8er vor, der sich richtig eng an den 7er schmiegt. Du willst die Wurzeln trennen: Geht bestimmt auch mit Handstück und Lindemannfräse – aber wäre es ergonomisch nicht viel leichter, mit einem Winkelstück zu arbeiten?! Wie praktisch, dass es dafür passende Bohrer gibt… 😇 (z.B. den '254E')
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| Extraktionstipp #2: UK-Molaren ziehen ohne Ost (in 4 einfachen Schritten)
- Sharpey-Fasern trennen: Dafür brauchst Du kein Desmotom – ein Heidemann, Freer oder ein feiner Hebel tun's auch → sei effizient!
- UK-Molarenzange (lockern): Zahnkrone fest mit der Zange packen, Kieferkamm mit der anderen Hand stabilisieren (Daumen & Zeigefinger), für 30 Sekunden locker aus dem Handgelenk mit minimaler Kraft Kippbewegungen in vestibulo-oraler Richtung → minimale Lockerung und Einblutung in PA-Spalt
- Wurzeln separieren: Furkation mit zahnärztlicher Sonde ertasten, Wurzeln* mit grobem Diamanten separieren → Wurzeln erfolgreich getrennt? Hebel leicht zwischen den Wurzeln* drehen → *knack* Wurzeln getrennt ✔︎
- UK-Prämolarenzange (Ex): Die "prämolarisierten" Wurzeln jeweils tief mit der UK-Prämolarenzange packen und diesmal mit zunehmender Kraft rotierend nach kranial ziehen.
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| | | *Meine 4-Schritt-Technik für UK-Molaren wurde neulich auf Insta kritisiert. Vielleicht zu recht, ich habe zu pauschal von Wurzeln gesprochen und meinte eigentlich Zahnhälften. |
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Extraktionstipp #3: Früh aufklappen. Als unerfahrener Operateur habe ich so oft es nur ging versucht, das Aufklappen zu vermeiden. Weil ich Angst hatte, dass ich die Wunde danach nicht anständig vernäht bekomme. Also habe ich lieber in den Tiefen einer blutigen Alveole gewühlt und mit Wurzelresten gekämpft, die immer tiefer abgebrochen sind. Meinem jüngeren Ich würde ich jetzt sagen:
«Klapp lieber früh auf und verschaff Dir eine gute Sicht auf das OP-Feld. Der Eingriff wird dadurch viel berechenbarer. Außerdem zwingt es Dich dazu, eine anständige Wundversorgung mit Nähten zu lernen.»
Extraktionstipp #4: Frische Rosenbohrer. Dieser Tipp ist irgendwie offensichtlich (muss aber trotzdem gesagt werden). Während meiner Fachzahnarztausbildung habe ich mich nicht getraut, nach neuen Bohrern zu fragen. Alle haben mit den alten Gurken gearbeitet. Meine Handgelenke haben mir regelmäßig wehgetan, weil ich beim Osten so fest drücken musste. Don't be me. Wo gehobelt wird… Du weißt schon: müssen neue Bohrer bestellt werden. 😜
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Du hast einen super Extraktionstipp, den Du gern mit der Community teilen würdest? Antworte einfach auf diese Mail!
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| Was musst Du wissen? - 2 CME Punkte (Nur für Pros)
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| Du hast Angst vor Wechselwirkungen, wenn Du Medikamente verschreibst? Nie wieder! | | |
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| Mit diesem Leitfaden wirst Du in 5 Minuten Expert:in im Umgang mit Bisphosphonat-Patienten. | | |
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| Der Blutbild-Navigator bietet Dir auf einen Blick alle relevanten Blutwerte – und was das für Dich bedeutet. | | |
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| Sei nie wieder überfordert bei der Behandlung von Schwangeren (Lokalanästhesie, Antibiotika etc.). | | |
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| Der Autor | | |  | |
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| Hey, ich bin Tilmann und ich bin FZA für Oralchirurgie aus Berlin. Seit Januar 2024 gebe ich jeden zweiten Freitag den Toothletter heraus – den Newsletter, den ich selbst gebraucht hätte, als ich 9 Stunden am Tag in der Praxis stand und keine Zeit für Leitlinien hatte.
Meine Mission: Ich will möglichst viele Zahnärzt:innen im Praxisalltag mit einfach zugänglichem Wissen unterstützen. Dabei ist mir wichtig, dass der Toothletter immer transparent und unabhängig ist. |
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Dr. Tilmann Seifert
10967 Berlin-Kreuzberg
Deutschland
Die in diesem Newsletter bereitgestellten Informationen dienen ausschließlich der fachlichen Fortbildung von Zahnärzt:innen. Sie ersetzen nicht die persönliche professionelle Urteilsbildung und Entscheidungsfindung im Einzelfall. Es liegt in der Verantwortung der Behandelnden, die Aktualität, Korrektheit, Vollständigkeit oder Qualität der bereitgestellten Informationen zu überprüfen. Impressum |
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